„Tausend Erinnerungen“ an Gießen

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Anlässlich des 40. Stadtfestes blickt das Stadtmarketing zurück und ist im Gespräch mit ganz unterschiedlichen Protagonisten, die auf verschiedene Weise das Stadtfest geprägt haben oder besondere Erlebnisse damit verbinden. Heute spricht Gießen Marketing mit Eva Briegel, Frontfrau der Band „Juli“. Sie erzählt im Interview mit Gießen Marketing über ihre Erinnerungen an das Gießener Stadtfest und von den Anfängen der Band, die von Gießen aus bundesweite Bekanntheit erlangte.

Hätte das Gießener Stadtfest eine Playlist – ein Song von der aus Gießen stammenden Band „Juli“ wie „Perfekte Welle“ stünde mit Sicherheit ganz weit oben. Die ersten musikalischen Gehversuche machten ein Teil der heutigen Besetzung, namentlich Andreas Herde, Simon Triebel und Jonas Pfetzing, in der Schülerband „Sunnyglade“, die bereits 1998 ein eigenes Album hervorbrachte und als „beste hessische Schülerband“ auch schon auf dem Stadtfest spielte. Im Jahr 2000 kamen Sängerin Eva Briegel und Schlagzeuger Marcel Römer dazu. Das Stadtfest hat für die Band eine ganz besondere Bedeutung. „Für alle Gießener Bands war das Stadtfest eine wichtige Sache – und eigentlich DAS Event, bei dem man spielen wollte“, erzählt Eva Briegel. Wenn man einen Slot ergattert habe, sei man „auf der Karte“ gewesen, also eine „ernstzunehmende Band, die man sich anschauen geht“. Auch wenn bei dem 16-Uhr-Slot eher die „Musikerpolizei“ gekommen sei, also andere Gießener Musiker, die abcheckten, was die anderen so draufhaben, und auch mal ein bisschen lästerten.

 

„Das Stadtfest war für uns Institution“

Auf die Frage, ob sie auf der Heimatbühne besonders nervös gewesen seien, meint Briegel: „Hier ist uns klar geworden, dass wir eine richtige Band sind, die eigene Lieder schreibt und Ambitionen hat.“ Man habe ja schon etwas Auftrittserfahrung gehabt, aber das Stadtfest sei immer eine Klasse für sich gewesen. „Eine große Bühne mit Platz und gutem Sound – das Stadtfest war für uns einfach eine Institution.“ Zu Hause zu spielen sei sowohl besonders schön, als auch besonders seltsam. „Unsere Freunde und Familien kennen uns lange und auch in anderen Zusammenhängen als auf der Bühne.“ Es kann auch ungewohnt oder irritierend sein, wenn auf einmal die Oma auf einen zukommt und fragt: „Muss das jetzt sein, dass ihr da ʹgeilʹ singt in dem einen Lied?“ Briegel betont, dass sie aber zunehmend gerne zu Hause spielen. „Wir werden super warm empfangen und merken die Verbundenheit.“ Gießen sei immer noch die Stadt, die einem so vertraut sei und die nicht aus einem rausgehe.

 

Aus Laufpublikum wurden Fans

Mit dem wachsenden Erfolg, unter anderem bei den Gießener Stadtfesten, die in mehreren Jahren von Juli (Anmerkung der Redaktion: von 2002 bis 2004) bespielt wurden, änderte sich auch das Publikum. „Es wandelte sich von einem interessierten Laufpublikum zu Fans, die uns sehen wollten und unsere Lieder kannten“, erzählt Briegel weiter. „Das war toll, weil man nicht nur Energie gibt, sondern auch Energie zurückbekommt.“ Besonders deutlich sei das der Band geworden, als man erstmals einen späteren Zeitslot bekam, wenn es schon dunkel wurde auf dem Stadtfest. „Das macht einen Riesenunterschied“, erklärt Briegel. „Die ganze Atmosphäre ist anders, es ist eine Show mit Haze (Sichtbarkeit von Lichteffekten durch Dunst oder Nebel; Anmerkung der Redaktion) und Licht, die noch mal mehr tolle Stimmungen kreiert.“ Diese Zeit sei auch die Phase gewesen, in der die Band anfing, deutsche Texte zu schreiben. „Das war für uns intern ein Riesen-Schritt.“ Man habe sich neu sortieren müssen. Glücklicherweise hat das gut funktioniert. Den Song

„Perfekte Welle“ habe man schon vor dem Durchbruch der Band 2004 live gespielt und sei immer darauf angesprochen worden. Auf die Frage, was „Juli“ in den vergangenen Jahren bewegt hat, meint Eva Briegel: „Wir haben die letzten drei Jahre sehr intensiv und toll erlebt.“ Sie hätten einige der besten Konzerte ihrer Bandgeschichte gespielt und seien immer wieder „geflasht“, wie viel Liebe ihnen entgegengebracht werde. „Uns erreichen auch viele Kooperationsanfragen und Cover unserer Lieder.“ Es sei auch schön, dass die Band auch immer wieder auf der Playlist von Kindern und Jugendlichen lande und damit Soundtrack für den Sommer beisteuern würde. Eine „riesige Maschine“ sollte die Band nie werden. „Wir können immer noch in Cafés und auf Konzerten herumhängen, ohne dass uns jemand erkennt, und auch noch andere Dinge tun, die nichts mit Musik zu tun haben.“

Juli sei immer eine „Albumband“ gewesen. „Wir tun uns schwer damit, einfach mal einen Song bei Spotify hochzuladen.“ Aktuell schreibe die Band auch wieder an einem neuen Album –  das jüngste, „Der Sommer ist vorbei“, sei 2023 erschienen. „Ganz heimlich haben wir uns, als wir für das ZDF nach Marokko gereist sind, in die dortigen hypnotisierenden und rhythmisch komplexen Musiktraditionen verliebt“, verrät Eva Briegel.

Die Frage, ob die Band noch einmal auf dem Gießener Stadtfest spielen würde, ließ Briegel zunächst unbeantwortet. „Wir haben Freunde und Familie in Gießen und im Gießener Umland mit tausend Erinnerungen, und ständig kommen neue dazu. Hier in Gießen waren wir jung und hier fing alles an.“ In vielen Liedern von Juli spielt Gießen eine Rolle. „Es steckt in uns drin.“ Sie fühlen sich in Gießen zu Hause, und auch wenn sich einiges verändert habe, sei vieles noch genauso, wie es immer war. „Ich mag den Gedanken, dass wir eines Tages zurückkommen und zumindest zeitweise wieder hier leben.“


Schlagworte: 40. Stadtfest, Band, Erinnerung, Juli, Stadtfest
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