Anlässlich des 40. Stadtfestes blickt das Stadtmarketing zurück und ist im Gespräch mit ganz unterschiedlichen Menschen, die auf verschiedene Weise das Stadtfest geprägt haben oder besondere Erlebnisse damit verbinden. Heute spricht Gießen Marketing mit Herbert Martin (75), der über Jahrzehnte das Gießener Stadtfest organisiert hat.
Gießen. Er war über viele Jahre das Gesicht des Gießener Stadtfestes – Herbert Martin. Bis 2015 war der hochgewachsene Wetzlarer der Organisator der großen, dreitägigen Gießener Innenstadtparty, bevor er im Frühjahr 2016 den Staffelstab an Tilman Bucher übergab. Im Gespräch mit Gießen Marketing erzählt Martin von Falschparkern, Sicherheitsfragen, musikalischen Höhepunkten und einem Fest, das zu einem wichtigen Teil Gießens geworden ist.
In Berührung mit dem Stadtfest kam Martin Anfang der 1990er Jahre, als die Stadt die Veranstaltung kurzerhand vom Arbeitskreis Handel (AKH) übernahm und selbst organisieren musste. Hintergrund war die Klage einer Innenstadtanwohnerin, die dazu führte, dass der AKH eine Kaution hinterlegen sollte, deren Höhe von dem Arbeitskreis nicht zu stemmen war.
Martin, seit 1987 beim Amt für Magistrats- und Presseangelegenheiten angestellt, fuchste sich in die neue Aufgabe rein. Als das Stadtjubiläum in 1997 gefeiert wurde, sei Martin mit „seinen Geschichten“ wie er sagt, ausgegliedert worden als eigene Stabsstelle „Stadtmarketing“ beim Oberbürgermeister. „Damit haben wir dann auch alle anderen Veranstaltungen übernommen, die bislang das Ordnungsamt verantwortet hatte – also den Weihnachtsmarkt sowie Frühjahrs- und Herbstmesse.“ Im neuen Büro hätten eines Morgens die 35 Kisten mit Akten des Ordnungsamtes vor der Tür gestanden, erzählt er. Vom Arbeitskreis Handel übernahm Martin dann noch den Krämermarkt und rief Sport in der City ins Leben. „Es gab dann so neun, zehn Veranstaltungen, die wir im Jahr gemacht haben und wir waren nur zu zweit: Doris Naumann und ich.“ Der größte organisatorische Aufwand blieb aber immer das Stadtfest.
Ein großer Einschnitt bei den Planungen sei das Love-Parade-Unglück in Duisburg im Jahre 2010 gewesen, bei dem 21 Menschen zu Tode gekommen waren. „Seit dieser Zeit ging es los mit den Sicherheitskonzepten.“ Das werde sich auch nicht mehr ändern, ist Martin überzeugt. „Eher wird sich das weiter verschärfen.“ Das Stadtmarketing war zu jener Zeit bereits in eine eigene GmbH überführt worden, die Gießen Marketing GmbH, die seit 2008 unter anderem Veranstaltungen organisiert und die Tourist-Information betreibt.
Sicherheit sei für Martin auch ohne Konzepte immer vorgegangen. So auch 2005, als man die Möglichkeit hatte, die heimische Band „Juli“, die dann schon bundesweit bekannt war, auf die Kirchenplatzbühne zu holen. Der Andrang wäre riesig gewesen. Das Problem: Der benachbarte Marktplatz war eine einzige Baustelle. Martin habe daher direkt abgewinkt. „Wenn mir da nur einer in die Baugrube gefallen wäre, wäre das schon einer zu viel.“ Vom damaligen OB Haumann sei er damals als „Schwarzseher“ und „Ignorant“ betitelt worden. Martin erwidert. „Wenn du darauf bestehst, dass die hier auftreten, gebe ich dir sämtliche Akten und schreibe einen Kommentar, dass ich es ablehne, hierfür die Verantwortung zu übernehmen.“ Er habe sich ab und an wehren müssen, gegen Dinge, die aus seiner Sicht nicht machbar gewesen seien.
Entwickelt hat sich das Stadtfest immer weiter. Ein großer Sprung sei sicher die Einbindung des Kirchenplatzes gewesen, der erstmals zum Stadtjubiläum in 1997 als Festplatz genutzt werden durfte. „Wir haben die Kirchen mit ins Boot geholt und am Stadtfestsonntag einen großen ökumenischen Gottesdienst gemeinsam gefeiert.“ Hinzu seien weitere Bühnen gekommen wie die Hand-in-Hand-Bühne, die über viele Jahre an der Katharinengasse/Ecke Kaplansgasse ihren festen Platz hatte, oder auch externe Veranstaltungen wie der Drachenbootcup oder der Stadtlauf.
Das Programm sei immer vielfältig und attraktiv gewesen mit unterschiedlicher Musik an unterschiedlichen Bühnen. „Wir hatten Klaus Lage hier und auch mal die Musiker der Kölner Kultband BAP.“ Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm der Auftritt der Popolskis. „Das war eine Gruppe um den Pianisten von Hape Kerkeling, Achim Hagemann. „Das war eine unvergessliche Stimmung auf dem Kirchenplatz.“
Herbert Martin blickt trotz kleinerer Ärgernisse positiv auf das Stadtfest zurück. „Natürlich gab es jedes Jahr die obligatorischen Falschparker im Vorfeld des Stadtfestes, die meinten, die Absperrung gelte nicht für sie.“
Das Gießener Stadtfest besucht Herbert Martin immer noch. „Ich gehe immer noch gerne hin, auch wenn das Programm nicht mehr so meins ist.“ Aber er treffe sich noch mit so manchem Standbetreiber. „Damals habe ich alle gesiezt, auch wenn ich mich gut mit den Leuten verstanden habe.“ Mittlerweile duzt man sich. „Ich glaube, den Respekt untereinander, den haben wir heute noch.“






