Digitale Sammlung für Erinnerungen an die Corona-Pandemie wird erstellt

Projekt „coronarchiv“ mit Beteiligung der Justus-Liebig-Universität Gießen

Über 1.500 Kinder und Jugendliche berichten über ihren Alltag in der Corona-Krise

Corona beeinflusst alle Aspekte des Lebens – auch die geisteswissenschaftliche Forschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Gießen, Bochum und Hamburg starten in Zeiten von Kontaktsperre und Homeoffice das Projekt „coronarchiv“. Das Portal soll die Pandemie aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger dokumentieren – und jede bzw. jeder ist aufgerufen, sich zu beteiligen.

Das Coronavirus und die politischen Reaktionen darauf verändern Alltag, Arbeit und Freizeit der Menschen fundamental. Schon heute werden die Pandemie und ihre politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen als historisch gekennzeichnet.

Das „coronarchiv“ lädt dazu ein, Texte, Fotos, Sounds und Videos unkompliziert hochzuladen und damit für die Zukunft zu sichern. Die Objekte werden mit Metadaten wie Entstehungsdatum und -ort versehen und anschließend bereitgestellt. Das Onlineportal ist allen zugänglich, sodass alle mit persönlichen Erinnerungen und Fundstücken zur Dokumentation der Corona-Krise beitragen können.

Jugendliche von heute werden die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von morgen sein – auch in Bezug auf die aktuelle Corona-Krise. Das „coronarchiv“ und die Körber-Stiftung rufen daher Kinder und Jugendliche im Rahmen eines Wettbewerbs dazu auf, sich mit den Veränderungen in ihrem Alltag durch die Corona-Krise zu beschäftigen und diese zu dokumentieren – sei es per Foto, Video, Audiodokument oder Text. Der Wettbewerb solle junge Menschen zudem motivieren, sich in der aktuellen Situation verantwortungsbewusst zu verhalten und Veränderungen im eigenen Umfeld wahrzunehmen.

Angelehnt an das Prinzip des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, der seit fast 50 Jahren von der Hamburger Körber-Stiftung ausgeschrieben wird, können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein eigenes Beispiel, eine Erinnerung, ein Fundstück, ein eindrückliches Erlebnis oder Gespräch auswählen, das zeigt, wie sich die aktuelle Krise auf die eigene Familie oder die Region auswirkt. Die Art der Präsentation ist den Teilnehmenden freigestellt: Ob Foto, kurzes Video- oder Audiodokument, ein kreativer oder sachlicher Text, ein Interview, ein Plakat, eine Collage – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Um die Verbreitung der Corona-Pandemie zu verlangsamen, sollen die jungen Menschen jedoch von zu Hause aus auf Spurensuche gehen. Gespräche und Videos mit Großeltern und anderen Familienangehörigen lassen sich auch digital aufzeichnen und übermitteln.
Alle eingereichten Beiträge gehen in das „coronarchiv“ über. Zudem lobt die Körber-Stiftung zehn Buchpreise für die besten Einsendungen aus und stellt die Preisträgerinnen und
Preisträger mit ihren Themen vor.


Körber-Stiftung und coronarchiv zeichnen die 50 besten Beiträge aus 

Vom Kleinkind bis zum Jungerwachsenen, von Einzelprojekt bis digitaler Klassenarbeit, von Sachtext bis Comic – mehr als 1.500 Kinder und Jugendliche aus allen Bundesländern beteiligten sich an der Mitmach-Aktion »Geschichte für morgen. Unser Alltag in der Corona-Krise« und teilten ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen während der Corona-Krise. Aus den insgesamt 1.120 Einsendungen hat die Jury nun die 50 Beiträge ausgewählt, die mit einem Buchpreis ausgezeichnet werden. Die Mitmach-Aktion wurde gemeinsam von der Körber-Stiftung und dem neu gegründeten coronarchiv initiiert.

So beschreibt der vierjährige Jaron aus Berlin in einem Audiobeitrag seinen Tagesablauf ohne Kindergarten, Spielplatz und gemeinsames Spielen mit Freunden. Auch der 18-jährige Maximilian aus Potsdam geht in seinem Filmbeitrag den Veränderungen im alltäglichen Zusammenleben auf den Grund; dazu befragte er Freunde und Verwandte. Alltagsveränderungen machten viele Teilnehmende auch am Beispiel von Freizeit, Sport und Religion fest. Robin, 16 Jahre, aus Idstein (Hessen) hat die »neue Normalität« am Beispiel verschiedener Charaktere in einem selbstproduzierten Lego-Stop-Motion-Film reflektiert.

Wie Kinder selbst mit den Maßnahmen umgehen, zeigt die Gruppe der Städtischen Lern- und Spielstube Eschweiler-Ost; die sechs bis 16-jährigen berichten in ihrem Film über kreative Formen der Freizeitbeschäftigung und zeigen beispielhaft, wie digitale Begegnungen in Zeiten von Social-Distancing das Miteinander stärken können.

Formen von Solidarität in der Corona-Krise
Viele Jugendliche setzen sich mit Fragen von Solidarität in der Corona-Krise auseinander. Die 14-jährige Katja aus Denzlingen (Baden-Württemberg) schreibt in ihrem Text über Menschen, die in den sogenannten systemrelevanten Berufsfeldern tätig sind. »Wir sind froh, dass es Menschen gibt, die helfen«, schreibt die Schülerin. Sie plädiert dafür, dass neue Formen des solidarischen Miteinanders auch zukünftig gelebt und gepflegt werden und dass soziale Berufe mehr Anerkennung bekommen sollten. Mit grenzübergreifendem Zusammenhalt hat sich die 16-jährige Sidra aus Hamburg beschäftigt. Die Schülerin berichtet in einem Brief an ihre Freundin Judy in Syrien über politische Maßnahmen und Erfahrungen mit dem Home-Schooling in Hamburg. Sie zeigt sich besorgt über die Ereignisse in Syrien – ihrem »Heimatland«. »Egal aus welchem Land wir kommen, wir Menschen müssen zusammenhalten, um dieses Virus zu bekämpfen«, schreibt Sidra.

Dokumentation im coronarchiv
Die 50 Preisträgerbeiträge können ab sofort auf der Website der Körber-Stiftung aufgerufen werden, ab Herbst sind alle eingereichten Beiträge auf der Online-Plattform coronarchiv  zu finden und werden dort als Beitrag zur Dokumentation der Corona-Krise archiviert.

Weitere Informationen unter www.coronarchiv.de


Schlagworte: Forschung, Geschichte, Universität, Wissenschaft
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