Ziel Olympia 2020: Ruderer Michel Zörb im Porträt

Er verbringt fast jede freie Minute beim Training – und die meiste Zeit davon auf dem Wasser. Michel Zörb rudert bei der Gießener Rudergesellschaft (GRG) 1877 – 2015 holte er im Vierer mit Steuermann WM-Gold an die Lahn.

Dabei kam der heute 19-Jährige, der im Sommer sein Abitur an der Gießener Ostschule abgelegt hat, erst spät zum Leistungssport. 2012 kam er, mehr durch einen Zufall, zum Rudern. An der Ostschule trat Zörb, dessen älterer Bruder im Profihandball aktiv ist, der Ruder-AG bei. „Ein Freund von mir wollte den Sport ausprobieren und hat mich überredet, mitzumachen“. Michel Zörb war sofort angefixt – ein Jahr lang übte er den Sport in der Ruder-AG aus, dann passte es terminlich nicht mehr. Zörb wechselte zur GRG. „Rudern ist ein Sport, in den man auch noch spät einsteigen kann, wenn man die nötige körperliche Fitness mitbringt“, beschreibt er es. Als Kind sei er zum Kinderturnen gegangen, als Jugendlicher habe er sich dann eher dem Kampfsport gewidmet – allerdings nie auf Leistungssportniveau, sondern rein hobbymäßig. „Während mein Bruder schon immer sportlich aktiv war, habe ich mich eher der Musik gewidmet“, sagt er heute. Zehn Jahre nahm er Unterricht an der klassischen Konzertgitarre, spielte außerdem Saxophon.

WM-Gold 2015 in Rio de Janeiro

Mit Trainer Martin Stromenger fand Zörb bei der GRG seinen Mentor und so wurde aus dem reinen Hobby schnell anspruchsvoller Leistungssport. Zörb wurde bereits deutscher Vizemeister im Junioren-Vierer mit Steuermann (A-Junioren U19), bevor er 2015 im August auf der Olympiastrecke im brasilianischen Rio de Janeiro WM-Gold im Vierer holte. „Das war ein echtes Erlebnis“, sagt Michel Zörb, der sich durch einen Unfall auf der Schul-Skifreizeit in seiner sportlichen Entwicklung um eine Saison zurückgeworfen sah, ehe er zusammen mit seinen Kollegen – darunter auch der Butzbacher Marc Weber von der Rudergesellschaft Hassia – den Weltmeistertitel holte. „Wir haben wirklich hart und viel trainiert“, freut sich der Lützellindener über den Erfolg.

„Rudern ist ein sehr zeitaufwändiger Sport“

Aktuell gehört Zörb der Auswahl für Jugend-Nationalmannschaft (U23) an. Das bedeutet für ihn einen nicht unerheblichen Aufwand. „Ich bin ein Riemer, ich brauche also immer einen gleichwertigen Partner“, erklärt er. Sein Trainingspartner kam aus Aschaffenburg, und so fanden viele Einheiten dort statt. „Manchmal, wenn ich dort auf der Couch wach geworden bin, dann habe ich mich schon gefragt, was ich da eigentlich mache“. Durch die Einteilung in regionale Trainingsgruppen gehört der derzeit der Trainingsgruppe in Frankfurt an, viele Einheiten werden also auf dem Main absolviert. 2016 trat Zörb etwas kürzer, um sich auf das Abitur zu konzentrieren; jetzt im Herbst geht die Vorbereitung für die kommende Saison in die Vollen.

In Fachjournalistik Geschichte eingeschrieben

Michel Zörb trainiert jeden Tag, oft sogar zweimal täglich. Neben ein- bis eineinhalbstündigen Einheiten auf dem Wasser steht noch mindestens dreimal in der Woche Krafttraining auf dem Plan. „Rudern ist ein sehr zeitaufwändiger Sport, wenn man mithalten will“, erklärt der Student, der sich an der Justus-Liebig-Universität für Fachjournalistik Geschichte eingeschrieben hat und gerade ins Semester gestartet ist. Doch das Grundlagenprogramm, das für die Fitness absolviert werden muss, ist vielseitig: „Man geht auch mal laufen oder Inliner fahren“. Das Studium ermögliche ihm die nötige Flexibilität, sagt der junge Mann, der bereits ein Praktikum in einer Sportredaktion absolviert hat. In den Studiengang will Zörb, der Geschichte nach eigenen Angaben schon immer interessant fand, erst einmal hineinschnuppern und dann schauen, wo die Reise hingehe. Beruflich kann er sich nämlich auch vorstellen, in die USA zu wechseln und ein Angebot einer amerikanischen Universität anzunehmen. In den USA hat der Rudersport einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland und spielt auch an die Unis eine große Rolle.

„Klar – man muss Abstriche machen“, räumt er bei der Frage nach der verbleibenden Freizeit ein. Gerade, wenn man in der Vorbereitung für einen wichtigen Wettkampf sei, müsse man oft verzichten, wenn die Freunde feiern gehen würden. Seine sportlichen Ziele? Kurzfristig: Auch mit der U23 die WM gewinnen. Und dann? Für Michel Zörb ganz klar: Die Teilnahme an Tokio 2020.


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