Tüftler & Talente: Wilhelm Conrad Röntgen

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Fast wäre es gar nichts geworden mit der Karriere. Als er von der Schule fliegt, bevor er das Abitur ablegen kann, hätte wohl niemand gedacht, dass er einmal studieren, promovieren und Professor werden würde. Genau das tut er aber. Und nicht nur das. Er macht auch noch eine absolut bahnbrechende Entdeckung und bekommt den Nobelpreis. Die Rede ist von Wilhelm Conrad Röntgen. Von 1879 bis 1888 war er ordentlicher Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Strahlen, die selbst zwar unsichtbar sind, aber das „Innenleben“ von Menschen und Dingen sichtbar machen können? Vor 150 Jahren muss das noch geklungen haben wir Science-Fiction. Und dann kam er. Röntgen. Der zunächst offenbar selbst nicht recht glauben konnte, was er da entdeckt hatte. „Ich hatte von meiner Arbeit niemandem etwas gesagt; meiner Frau teilte ich mit, dass ich etwas mache, von dem die Leute, wenn sie es erfahren, sagen würden, der Röntgen ist wohl verrückt geworden“, schreibt er in einem Brief. Er wurde aber mitnichten für verrückt gehalten. Sondern 1901 mit dem ersten Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Dass die Strahlen seinen Namen tragen sollte, schlug übrigens ein Teilnehmer der öffentlichen Sitzung vor, auf der Röntgen zwei Monate nach der Entdeckung 1895 einen Vortrag über seine Entdeckung hielt.

Eigentlich hatte Röntgen in seinem Laboratorium an der Würzburger Universität die Leitung von Elektrizität in Gasen untersucht. Dabei war er auf die kurzwelligen, hochenergetischen Strahlen gestoßen, die nicht nur die Diagnostik in der Medizin revolutionieren sollten, sondern auch eine bahnbrechende Entdeckung für viele andere Wissenschaften darstellen. Und das, obwohl er sich eine akademische Karriere beinahe schon verbaut hatte. In Utrecht wurde er von der Technischen Schule verwiesen – wegen einer Karikatur, die ein anderer Schüler von einem Lehrer gezeichnet hatte. Das fehlende Abitur verwehrt ihm zunächst den Zugang zu einer Universität (erst nach zwei Jahren kann Röntgen am Polytechnikum in Zürich studieren, wo eine Aufnahmeprüfung entscheidet) und wird später bei seiner Habilitation erneut zum Problem.

Uni Würzburg verweigert zunächst Habilitation

1845 wird Wilhelm Conrad Röntgen in Lennep (heute ein Stadtteil von Remscheid) geboren. Als er drei Jahre alt ist, zieht die Familie nach Holland. Dort belegt er nach seinem Schulverweis zunächst auch als Gasthörer Kurse an einer Universität, bevor er nach Zürich geht. Auf sein Studium der Maschinenbaukunde folgt ein Aufbaustudium der Physik; 1869 promoviert er mit „Studien über Gase“. Er folgt seinem Doktorvater als Assistent nach Würzburg und nach Straßburg, wo er auch die Habilitation erhält, die ihm die Würzburger Universität verweigert hatte. 1875 und 1876 wird er außerordentlicher Professor in Stuttgart und Straßburg und 1879 erhält er dann den Ruf nach Gießen, wo er neun Jahre bleiben wird. Mit 34 Jahren erhält er das erste feste Gehalt seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Er und seine Frau Anna nehmen in dieser Zeit Annas sechsjährige Nichte bei sich auf und adoptieren das Kind später.

Röntgen stirbt 1923

Auch wenn er danach zunächst an die Universität Würzburg zurückkehrt und über 20 Jahre – die längste Zeit seines akademischen Wirkens – in München verbringt, hat er eine besondere Beziehung zu Gießen. Hier wird er nach seinem Tod 1923 (Röntgen stirbt an Darmkrebs) auf dem Alten Friedhof bei seinen Eltern begraben. Im Theaterpark an der Südanlage hat der Berliner Künstler Erich Fritz Reuter 1962 ein Denkmal zu seinen Ehren errichtet – eins, das einen auf die richtige Spur brächte, selbst wenn man seinen Namen nicht kennt: Stahlstäbe symbolisieren die Strahlen, die seinen Namen tragen. Was sie übrigens nur im Deutschen tun. International beziehungsweise auf Englisch werden sie weiterhin so genannt, wie er sie auch bezeichnet hat, nämlich „X-Rays“, X-Strahlen. An seinem ehemaligen Wohnhaus in der Gießener Südanlage 17 ist außerdem eine Gedenktafel ihm zu Ehren angebracht. Rund ein Drittel seiner insgesamt 60 wissenschaftlichen Arbeiten entstand in Gießen. Er befasste sich unter anderem mit dem Nachweis des Magnetfeldes, das von einem Verschiebungsstrom erzeugt wird („Röntgenstrom“).

Röntgen-Preis der JLU

Seit 1960 verleiht die Justus-Liebig-Universität einen Preis im und mit dem Namen Röntgens, um hervorragende wissenschaftliche Arbeiten und Verdienste insbesondere von Nachwuchskräften auf dem Gebiet der physikalischen oder strahlen-biologischen Grundlagenforschung auszuzeichnen. An seinem ehemaligen Wohnhaus in der Südanlage 17 ist ebenfalls eine Tafel zu seinen Ehren angebracht.

Eine berühmte Röntgenaufnahme aus dem Dezember 1895 zeigt übrigens die Hand seiner Frau Anna: Knochen und Ehering sind deutlich zu erkennen. Mit einer Beleuchtungszeit von mehr als 20 Minuten. Wie gefährlich die Strahlung war, die damals „Röntgen-Sonnenbrand“ verursachte, wie man die Strahlenschäden lapidar nannte – das erkannte man allerdings erst später. Heute ist die Strahlenexposition um das 1.000- bis 10.000-fache geringer als in den Anfangszeiten; die Technik wurde immer weiter verfeinert und was damals Minuten bis Stunden dauerte, ist heute im Bruchteil von Sekunden erledigt.


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