Tüftler & Talente (Teil 2): Professor Dr. Volker Groß

Forschen für die Gesundheit: Professor Dr. Volker Groß (rechts) und Professor Dr. Keywan Sohrabi
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Raucher kennen es: Zigarettenschachteln warnen seit Jahren eindringlich vor den Folgen des Tabakkonsums, vornehmlich vor Lungenkrebs. Dabei gibt es eine weitere Erkrankung, die durch das Rauchen auf dem Vormarsch ist – die Chronisch Obstruktive Lungenkrankheit, besser bekannt als COPD. Der Weltgesundheitsorganisation zu Folge ist sie derzeit die vierthäufigste Todesursache, vermutlich wird sie bald auf Platz 3 vorrücken. Professor Dr. Volker Groß vom Kompetenzzentrum für Biotechnologie und Biomedizinische Physik der Technischen Hochschule Mittelhessen hat gemeinsam mit einem Team ein portables Testgerät zur Überwachung des Verlaufs der Krankheit entwickelt. Er bildet den zweiten Serienteil der „Tüftler & Talente“.

Groß leitet das Projekt zusammen mit Professor Dr. Keywan Sohrabi vom Kompetenzzentrum für Informationstechnik an der THM. Das Gerät, das optisch ein wenig an einen Alkoholtester erinnert, wurde in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro für Medizintechnik in Wettenberg (IfM) und den Professoren Dr. Ulrich Koehler und Dr. Rembert Koczulla von der Klinik für Pneumonologie der Philipps-Universität in Marburg entwickelt. Das Land Hessen fördert das Projekt über das Innovationsprogramm LOEWE III noch bis zum Sommer – insgesamt 500.000 Euro. Bis dahin soll der Prototyp fertig sein, um dann die langwierige Phase zur Zulassung als Medizinprodukt gehen zu können.

„Man kann COPD nicht heilen, aber man kann einiges tun, damit sich die Krankheit nicht verschlechtert“

Das Gerät soll es COPD-Patienten auf Basis der Telemedizin ermöglichen, eine akute Verschlechterung der unheilbaren Krankheit vorherzusagen, damit therapeutische Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Die Krankheit verlaufe in Schüben, erklärt Professor Groß. Meist löse eine Infektion einen solchen Schub aus, der sich an der ausgeatmeten Luft frühzeitig erkennen lasse. „Man kann COPD nicht heilen, aber man kann einiges tun, damit sich die Krankheit nicht verschlechtert“. Verschiedene Bio-Marker zeigten die Entzündungsreaktion an, etwa der PH-Wert, der Kohlendioxidgehalt oder der Anteil von Wasserstoffdioxid. Die Sensorik des Geräts misst diese Werte und übermittelt die Daten an das Smartphone des Benutzers, ein App analysiert die Daten und bereitet diese auf. Bei Bedarf können sie an den behandelnden Arzt oder ein telemedizinisches Zentrum gesendet werden. Wichtige Aspekte: Die Technik muss einfach zu handhaben und das Gerät preiswert zu haben sein. „Das Gerät soll dem Patienten zeigen, dass Handlungsbedarf besteht – wie ein Fieberthermometer“, sagt Groß.

Groß hat an der Justus-Liebig-Universität Gießen Physik studiert, die Schnittstelle zwischen Medizin und Technik habe ihn aber schon immer interessiert, berichtet der gebürtige Berliner, daher folgte ein Aufbaustudium Medizinische Physik und Technik an der Universität in Kaiserslautern. Zur Promotion kam der heute 46-Jährige an die Uni nach Marburg. Groß arbeitete zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Universitätsklinikum Gießen-Marburg in der Schlafmedizin. Von dort stammt auch das Wissen, dass sich einige neurogenerative Erkrankungen wie Parkinson bereits in einem Frühstadium anhand des Schlafverhaltens einer Person abbilden lassen. Ähnlich sei das bei COPD – ein bestimmtes Atemverhalten im Schlaf lasse auf die Krankheit schließen. Die Abkürzung kommt vom englischen Begriff Chronic Obstructive Pulmonary Disease. Bei COPD kommt es zu einer chronischen Schädigung der Flimmerhärchen in der Lunge, die letzten Endes in einer Lähmung derselbigen endet, da die natürliche Reinigungsfunktion der Lunge gehemmt wird. Nach und nach wird die Bronchialstruktur irreversibel zerstört, was schließlich zu einem Kollaps der Bronchien führt. Die daraus resultierende Atemnot lässt die Patienten schwächer und schwächer werden – „die Betroffenen atmen nicht mehr ausreichend“, schildert Groß die Problematik. Neben dem Rauchen gilt Staubbelastung als Ursache.

Seit acht Jahren Professor in Gießen

Seit acht Jahren hat Groß die Professur in Gießen inne, doch auch, wenn er bereits in Gießen studiert hat und schon lange in Mittelhessen ansässig ist – seine Berliner Wurzeln kann er nicht verleugnen. Will er auch gar nicht, doch der 46-Jährige, der mit seiner Frau und drei Kindern in Launsbach lebt, hat Gießen wirklich zu schätzen gelernt – allein wegen der kurzen Wege. „Ich brauche zehn Minuten zur Arbeit“, sagt er, „und ich kann prima auch mal mit dem Fahrrad zur THM fahren“. Seine Freunde in Berlin müssten teilweise quer durch die ganze Stadt fahren, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Wenn sein Job ihm mal eine Pause gönnt, dann bleibt Zeit für sein Hobby, das in seinem Büro deutlich zu erkennen ist: Professor Volker Groß ist begeisterter Segler“. Die Nähe zur Ostsee fehle im schon, räumt er ein – aber es gebe ja auch noch den Edersee.

Bleibt eine Frage offen: Warum ist die Krankheit COPD so wenigen Menschen ein Begriff, wo sie doch bereits zu einer Volkskrankheit geworden ist? Es mangele an Aufklärung, kritisiert der Professor, „es wäre wichtig, das richtige Gesundheitsverhalten schon in der Schule zu vermitteln“.


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