Tüftler & Talente: Das Team von THM Motorsport

Beim Team THM Motorsport wird derzeit fleißig gewerkelt.
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Formel 1 in Gießen? Ja, das gibt es. An der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen wird seit 2009 an dem perfekten Rennwagen mit Verbrennungsmotor gearbeitet. Derzeit wird in dem schon von weitem sichtbaren Werkstatt-Container des Teams noch auf Hochtouren geschraubt, gewerkelt, der Wagen außerdem auf der Rolle im  Kraftfahrzeuglabor der THM getestet und optimiert. Schon Mitte Juli startet das Team von THM Motorsport bei einem Hochschulwettbewerb in der „Formula Student“ im englischen Silverstone, im August geht es zum Kräftemessen auf den Hockenheimring.

Die Leitung des Projekts obliegt Professor Klaus Herzog, der Fahrzeugsystemtechnik unterrichtet. 2008 kam Herzog an die THM nach Gießen – Studierende regten ein Motorsporteam bei ihm an – und stießen auf offene Ohren. 2010 startete erstmals ein Fahrzeug aus der Gießener Tüftlerwerkstatt in der „Formula Student“.

Die „Formula Student“ ist ein Konstruktionswettbewerb für Studierende. Dieser wird in Deutschland vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) ausgerichtet. Der Wettbewerb findet jährlich statt und spricht Studenten von Universitäten und Hochschulen jeden Studiengangs an. Die Mitglieder des THM-Motorsporttteams kommen demnach aus verschiedenen Bereichen: Aus dem Maschinenbau, der Fahrzeugsystemtechnik, aber auch aus dem Bauingenieurswesen, der Informatik oder der Elektrotechnik. Auch BWL-Studenten sind dabei. Das ist wichtig, denn die Bewertung erfolgt in einem statischen und einem dynamischen  Teil.

Dynamischer und statischer Teil

Während beim dynamischen Teil Konstruktion, Fahrzeugkonzept und Design bewertet werden, kommt es beim statischen Teil auf den Teamaufbau, das Marketing und den Businessplan an. Neben Beschleunigungstests und verschiedenen Aufgaben wie dem Fahren einer liegenden Acht sind die so genannten Endurings Herzstück eines jeden Wettbewerbs – hier müssen sich die Fahrzeuge im kontinuierlichen Fahren über 20 Runden auf Zeit bewähren. In den verschiedenen Kategorien gibt es Punkte, die später zu einer Gesamtpunktzahl summieren. Kein Wunder also, dass pro Fahrzeug mehrere hundert Stunden ins Tests investiert werden. Neben den Tests auf der Rolle kommen die Fahrzeuge dann auch in Realsituationen zum Einsatz: Wochenends kann man das Team häufiger auf dem Autohof in Lützellinden sehen, unter der Woche sind die Teammitglieder häufig in den Morgenstunden auf dem Flugplatz in Lützellinden zu Gange.

Mitmachen können beim derzeit 30-köpfigen THM Motorsport-Team nicht nur Studierende unterschiedlicher Fächer, sondern auch aus verschiedenen Semestern. „Sinnvoll ist es, gerade beim Maschinenbau, so ab dem dritten Semester“, sagt Professor Herzog. Wichtig ist ihm auch, zu erwähnen, dass einige Team-Mitglieder von der Justus-Liebig-Universität kommen – „es ist ein hochschulübergreifendes Projekt“. Und natürlich seien vor allem junge Frauen herzlich willkommen. Wer mitmachen will, muss eine kurze Bewerbung abgeben – mit seiner Fachrichtung, seinen Kompetenzen, seinen Vorstellungen. „Wir wollen niemanden aussieben“, sagt Herzog, „aber das ist wichtig, damit wir gleich wissen, wie wir die Leute einbeziehen und einsetzen können“.

Motorsport-Teamchef Selim Sengiz

Unterstützt wird Herzog von Teamchef Selim Sengiz, der sich vor allem um terminliche und koordinatorische Aufgaben kümmert. Selim Sengiz kam zur neuen Saison frisch ins Team und erklärte sich bereit, den Job des Teamchefs zu übernehmen. „Wir haben ihn ins kalte Wasser geworfen“, schmunzelt Herzog. Normalerweise sei es besser, der künftige Teamchef habe schon mindestens ein Jahr im Team mitgearbeitet. „Wir hatten aber viele personelle Wechsel“, sagt der Professor, „und Herr Sengiz hat sich vorbildlich eingearbeitet und macht das ausgezeichnet“. Man müsse viel lesen und Zeit investieren, sagt dieser, aber glücklicherweise sei alles super dokumentiert. „Die Aufgabe ist daher zu schaffen“.

Zeit – das sei ein Faktor, der viele vielleicht abhalte, sich im Team Motorsport zu engagieren, meint Herzog. Denn: Zwar ist es möglich, im Rahmen des Projektes seine Abschlussarbeit zu schreiben, aber in der Regel kommt die Zeit im Team aufs „normale“ Studium obendrauf – wie bei einer AG in der Schule. Die investierte Zeit ist zumeist Freizeit. Doch das nehmen die Mitglieder gerne in Kauf, denn schließlich sind bei den Wettbewerben auch führende Unternehmen anwesend, die um Nachwuchskräfte werben. Das Gießener Team hat ja bereits toll abgeschnitten bei einigen Wettbewerben: Sie wurden 3. von 35 Teams beim Wettbewerb in Italien, belegten einmal den 10. und einmal den 11. Platz in Hockenheim. Für dieses Jahr und für alle anderen gibt es ein klares Ziel: Noch besser werden zuvor. Wer das Team unterstützen will: Für die „Formula Student“ auf dem Hockenheimring vom 9. bis 14. August kann man ganz regulär Eintrittskarten erwerben.


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