Sportler & Spieler: Alexander Möller (Gießen Golden Dragons)

Alexander Möller nach dem Heimspiel gegen die Franken Knights am 6. Juni 2016 im Gießener Waldstadion.
©

Bei ihm dreht sich jede freie Minute um einen Ball. Allerdings nicht ums runde Leder, sondern um ein „Ei“: Alexander Möller hat seine Freizeit komplett dem American Football verschrieben. Bei den Gießen „Golden Dragons“ des MTV Gießen, deren 1. Mannschaft derzeit in der GFL 2 Süd (German Football League) spielt, hat er die Position des Linebackers inne, ist außerdem Coach für die Linebacker, Headcoach bei der 2. Mannschaft und ist als Schiedsrichter aktiv. Viel Zeit für etwas anderes bleibt da nicht.

Mit 16 kam Möller zum Football – er entdeckte die Sportart während eines Auslandsjahres an einer Highschool in einem kleinen Dorf in South Dakota für sich. Bis dahin hatte er noch keinen Mannschaftssport ausgeübt. „Klar, als Junge war ich natürlich auch mal im Fußballverein, aber irgendwie hat mein Team immer verloren, wenn ich dabei war“, lacht der 31-Jährige heute. Er sei immer der gewesen, der in der Schule als Letzter in die Mannschaft gewählt wurde – das änderte sich mit dem Football. Denn das Spiel biete auf Grund der vielseitigen Positionen Platz für die verschiedensten Typen, kleine Schnelle, kräftige Schwere und welche dazwischen, so wie Möller, erklärt dieser. Beim Blick aufs Feld bei einem „Golden Dragons“-Spiel findet man diese Aussage bestätigt. Groß und klein spielt hier neben dick und dünn, jung neben alt – der Jüngste im Team ist 19 Jahre alt, der Älteste Mitte 40. „Wir hatten auch schon einmal einen 53-Jährigen dabei“, sagt der Linebacker. So gesehen ist Football auch ein integrativer Sport, weil er auch Typen integriert, die für andere Mannschaftssportarten ungeeignet oder schlicht zu stämmig sind. „Beim Football hatte ich das erste Mal das Gefühl, richtig dazuzugehören und eine sinnvolle Aufgabe zu haben, die ich auch leisten kann“, sagt der 31-Jährige. Der Sport sei für jedermann geeignet, sagt Alexander Möller, wenn es einem gelinge, die Hemmschwelle abzubauen, denn Football sei schon ein sehr körperlicher Sport. Doch auch, wenn das Spiel rabiat wirkt – das Verletzungsrisiko ist nicht höher als bei anderen Sportarten auch. „Das Schlimmste, was ich mal hatte, war ein Bänderriss“.

Chemiker im StartUp-Unternehmen

Das Jahr in den USA endete schnell, nicht aber die Liebe zum Football. Möller, der aus Laatzen bei Hannover stammt, trat nach seiner Rückkehr beim Team der Hannover Spartans ein, die heute in der Regionalliga spielen. Seine Promotion im Studienfach Chemie verschlug ihn schließlich nach Gießen – und somit zum MTV Gießen und den „Golden Dragons“. Und auch, wenn er mittlerweile seinen Doktor in der physikalischen Chemie hat und täglich nach Alzenau, wo er als Projektmanager in einem StartUp-Unternehmen arbeitet, dass sich mit der Entwicklung großer Energiespeicher beschäftigt, pendeln muss, fühlen er und seine Frau sich in Gießen sehr wohl – ein Umzug nach Bayern kommt für ihn daher nicht in Betracht. Seine Frau arbeitet an der Justus-Liebig-Universität ebenfalls in der Chemie. Mit den „Golden Dragons“ ist sie als Equipment Managerin des Vereins genauso fest mit dem Team verbunden wie ihr Mann, der außerdem noch für das Stadionmagazin verantwortlich zeichnet. Dabei war Möllers erster Eindruck von Gießen nicht gerade der Beste: „Als ich erstmals hier ankam, liefen am Bahnhof gerade Bauarbeiten. Ich dachte ernsthaft: Wo bin ich denn hier bloß gelandet?“ lacht er.

„Wenn man sich so ein Spiel komplett anschaut, versteht man auch die Grundzüge“

Wer glaubt, so ein Footballspiel sei wahnsinnig kompliziert, den ermuntert der 31-Jährige zu einem Besuch bei einem Heimspiel der „Dragons“ im Gießener Waldstadion. „Wenn man sich so ein Spiel komplett anschaut, dann versteht man auch die Grundzüge ganz schnell und findet Gefallen daran“. Am Besten nehme man sich jemanden mit, der sich schon ein bisschen auskenne und einem die Spielzüge erklären könne. Aber auch der Stadionsprecher der „Golden Dragons“ sorgt dafür, dass die Partien anschaulich werden. Via Twitter kann man die Begegnungen außerdem live kommentieren. Jedes Wochenende ist Möller im Sommer für den Sport unterwegs – da nimmt er es auch einmal in Kauf, dass er nach einer Hochzeitsfeier von Hannover aus am frühen Morgen mit dem Zug nach München fahren muss, um pünktlich zum Kick-Off auf dem Feld der gegnerischen Mannschaft zu stehen. Und natürlich werden auch die Spiele der NFL in Amerika und Höhepunkte wie der Super Bowl im Fernsehen verfolgt – Möller hat eigens ein besonderes TV-Abo, um die Begegnungen im amerikanischen Original sehen zu können. Zeit für etwas Anderes bleibt da nicht viel – zwei- bis dreimal in der Woche trainiert er im Fitnessstudio außerdem seine Kondition. Klar, dass er und seine Frau den Jahresurlaub außerhalb der Saison legen. Diesen September geht es nach Amerika, dem Geburtsland des Footballs, auf eine mehrwöchige Westküstentour. Ganz bestimmt wird Alexander Möller auch dabei mit dem Thema American Football irgendwie in Berührung kommen.

Wer einmal ein Spiel der „Golden Dragons“ sehen will, hat morgen, Samstag, 11. Juni, dazu Gelegenheit: Um 16 Uhr trifft die Mannschaft im Waldstadion auf das Team der Nürnberg Rams. Die Woche drauf, am Sonntag, 19. Juni, steht die Heimbegegnung mit den München Rangers auf dem Programm. Infos und Termine unter www.giessengoldendragons.de.


Schlagworte: American Football, Football, Golden Dragons, MTV Gießen, Waldstadion
0


Hinterlasse einen Kommentar

In SchlaglichternIn FilmenIn BildernIm Rückblick
AusstellungenStadtführungenTerminübersichtVeranstaltungsorteTicketvorverkaufJahresübersicht