Kapelle auf dem Alten Friedhof

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Kapelle auf dem Alten Friedhof
Licher Straße/Ecke Nahrungsberg
Gießen


Das ursprüngliche Aussehen der 1623 – 1625 durch den Gießener Baumeister Johannes Ebel zum Hirsch erbauten „Kapelle auf dem Gottesacker“ ist leider nicht genau überliefert. Da die Kapelle infolge missbräuchlicher Nutzung (Pulverdepot der Artillerie während der französischen Revolutionskriege) stark gelitten hatte und einzustürzen drohte, war eine grundlegende Erneuerung notwendig: Der Architekt und Kunsthistoriker Hugo von Ritgen erhielt 1840 den Auftrag. Auf ihn geht das heutige, vorwiegend historistisch geprägte, von der oberhessischen Bauweise abgeleitete Erscheinungsbild der Kapelle zurück.

Das streng gegliederte, auf dem Reißbrett entworfene Fachwerkobergeschoss, das mit Krüppelwalmen versehene Satteldach und der Innenausbau (umlaufende, pfeilergestützte Empore mit Dockenbrüstung, Halbkreistonnendecke) stammen aus dieser Zeit. Trotz dieser tiefgreifenden Veränderung blieben Teile der alten Kapelle erhalten: Das massiv gemauerte, rechteckige Untergeschoss und besonders die Südseite, die durch drei symmetrisch angeordnete Portale geprägt wird. Das mittlere, rundbogige Renaissanceportal ist durch seine Größe und durch dekoratives Beschlagwerk im Bogen sowie durch flankierende Muschelnischen hervorgehoben, die beiden seitlichen Portale haben schlichte Spitzbögen. Das heutige Hauptportal an der Nordseite, das erst 1717 – wohl bedingt durch den neuen Friedhofseingang – entstand, ist ebenfalls rundbogig. Der für die Kapelle so charakteristische, romantisierende Dachreiter stammt aus dem Jahr 1862, die Glocke aus dem selben Jahr wurde laut Inschrift von Georg Otto, einem Gießener Glockengießer, gegossen.

Im Zuge des Umbaus von 1936 wurde der Altar vom Osten auf die Westseite verlegt. Zu bedauern ist, dass die alten Bänke, die ältesten aus der Zeit um 1800, 1964 durch eine neue Bestuhlung ersetzt wurden. Die Kapelle auf dem Alten Friedhof, die seit 1927 von der Luthergemeinde als Gemeindekirche genutzt wird, ist einschließlich ihres bedeutenden Inventars (u.a. Großes Holzkruzifix aus der Erbauungszeit und die von Adam und Philipp Frank aus Marburg geschaffenen Grabmäler der Gelehrten Johannes Winkelmann, gest. 1626, Justus Feuerborn, gest. 1656 und Petrus Haberkorn, gest. 1676) Kulturdenkmal aus stadtgeschichtlichen, künstlerischen und kirchengeschichtlichen Gründen.


Schlagworte: Geschichte
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