Elephant Toilet

Die Gießener Kabarettgruppe “Elephant Toilet” ist gleichermaßen bekannt und beliebt. Wir haben Jakob Olbrich des Mediziner Kabaretts interviewt und wollten von ihm wissen, wie es mit „Elephant Toilet“ sein Anfänge nahm und wie die Ärzte und Studenten auf die Idee gekommen sind den Medizineralltag auf der Bühne satirisch zu inszenieren.

 

Für alle die euch nicht kennen: was macht ihr?

“Angefangen hat es im Herbst 2010 im Rahmen der Einführungswoche für die Erstis, als wir als Mentoren abends zusammen saßen und uns über Youtube Videos aus dem medizinischen Bereich unterhalten haben, z.B. die „Amateur Transplants“ aus England. Wir dachten, schade, dass es das hier nicht gibt. Später haben wir uns getroffen, Ideen gesammelt und, ohne ein Programm zu besitzen, die Aula für einen Abend reserviert. Wir hatten jemanden von der Fachschaft an Bord, so konnten wir auch über den E-Mailverteiler werben.

Die Sache haben wir auch mehr oder weniger ausgeschrieben und gesagt, wer Lust und Ideen hat kann sich mal mit uns in einem Hörsaal treffen und da kamen dann auch ein paar Leute. Das war dann so mehr oder weniger das Grundteam. Nach dem Treffen haben wir uns dann auch öfters zusammengesetzt, Texte geschrieben und Rollen verteilt, geprobt und Sachen vorgestellt. Der erste Auftritt war ausverkauft und wir hatten eine gute Resonanz. Es kamen gleich Anfragen von der Industrie, ob wir bei einer Abendveranstaltung ein Begleitprogramm für Ärzte machen möchten. Das war eine Firma, die Heimbeatmungsgeräte herstellt. Dort kam unser Auftritt auch gut an. Damit war der Grundstein gelegt für unsere zwei Sparten, die wir fahren. Einmal das Programmkabarett in Gießen, was ursprünglich sehr studentennah war. Dadurch, dass wir immer mehr Nicht-Studenten haben, ist unser Kabarett mittlerweile auch eher ärztlich als studentisch. Als zweites diese Auskopplung, wo wir dann Auftragsarbeiten machen, z.B. kooperieren wir mit der Landesärztekammer. Da machen wir öfters ein Rahmenprogramm bei Veranstaltungen.”

Wie hat das alles angefangen?

“Wir waren vier Gründungsmitglieder. Schnell hat sich ein Kern von 15-20 Leuten gebildet. Viele machten auch hinter der Bühne was, sie wollten nicht auf die Bühne. Das hat uns viel geholfen, dass wir viel ‘Man’ bzw. ‘Women Power’ hatten, die uns Arbeit abgenommen hat. Es gab Mitglieder, die Theatervorerfahrung hatten und Musiker, die schon lange in einer Band gespielt haben. Hinzu kamen Bühnenerfahrene und Leute aus der Fachschaft, die gut vernetzt waren. So war ein Grundpotenzial gegeben, das sich gegenseitig befruchtet hat. Eine ganze Show, von Anfang bis Ende, hatte jedoch vorher noch keiner von uns organisiert.”

Was war euer brenzligster Auftritt, ist euch auf der Bühne schon mal was extrem lustiges passiert?

“Beim ersten Auftritt war es ein kleines Problem, dass die Aula ja relativ groß ist. Deswegen konnten wir nicht ohne Mikros spielen. Wir hatten aber noch nicht mit Mikros geprobt. Es war ätzend, manche hingen schief und man hat das Atmen gehört. Ein Mikro war sogar die ganze Zeit ausgestellt. Marius kam dann in die Nähe von einer Box. Es gab eine Rückkopplung und einen riesigen Quietschton. Es war eine Woche nach dem dieses Erdbeben in Gießen war. Er hat das aber richtig gut gelöst und sagte: „Oh nein, ein Erdbeben!“. Alle haben gelacht. Das ist auch in einem Video zu sehen. Es gibt ja auch Videos auf unserer Homepage. Da gibt es einen Sketch, der heißt die Privatpatientin, wo das dann auch zu sehen ist. Das jetzt aber wirklich mal jemand einen krassen Texthänger hatte, davon wurden wir bisher zum Glück verschont. Hm…brenzlige Situationen… das Bier war mal alle nach einem Auftritt. Da wurde zu wenig besorgt. Die Stimmung war kurz am kippen, aber dann wurde noch welches geholt und es ging wieder aufwärts.”

Es steht oft geschrieben, dass ihr kabarettistische Einblicke in den Medizineralltag gebt. Wie kann man sich das vorstellen, ist der Medizineralltag so lustig?

“Im Endeffekt ist es ja das, Menschen agieren mit Menschen. Da passieren ja zwangsweise komische Situationen, auch wenn sie oft nur für eine Seite lustig sind. Wir waren ja in Cottbus, auf einem Kabarett-Festival, wo wir das einzige Spatenkabarett aus dem Bereich Medizin waren. Hier ist uns eine wesentliche Sache aufgefallen. Da saßen bis auf 2-3 Hausärzte keine Mediziner im Publikum. An vielen Stellen wo wir dachten, jetzt kommt ein Lacher, blieb es still. Da ist uns aufgefallen, dass der Humor des Mediziners doch anders ist als der des Patienten. Zum Beispiel im Sketch mit Dr. Unwichtig und seinem ersten Nachtdienst. Der Patient redet nur Blödsinn, überall muss was gemacht werden und der Arzt ist halt vollkommen überfordert mit der Situation. Mediziner, die diese Situation kennen, finden das extrem witzig. Patienten jedoch denken sich: ‘Klasse, da ist jetzt ein Arzt der keine Ahnung hat.’ Es gibt auch viele intime Dinge die einen in recht peinliche Situationen bringen können. Ich musste im meinem Praktikum einer jungen und gutaussehenden Patientin den Blutdruck messen. Die Patientin sagte nur „Hmhm, kenn ich“, ich drehte mich nur kurz um und als ich wieder hinsah, saß sie dort oben ohne. Da war ich natürlich im ersten Moment total baff und wusste nicht was ich sagen sollte. Ich hab dann gemessen und so getan als wär nichts. Natürlich gibt es auch tragische Momente wie auf der Intensivstation oder Onkologie. Das ist aber eher nicht der Alltag. Dinge aus dem internistischen oder neurologischen Bereich sind dann meistens nicht lebensbedrohlich und lassen sich auch einfacher lustig für das Publikum gestalten.”

Geben euch die Auftritte auf der Bühne Sicherheit, wenn ihr vor Patienten redet?

“Ich glaube es ist eher andersrum, die Sicherheit die wir auf der Bühne entwickeln transferiert sich auf den Beruf. Vor allem ist es das intensive Vorbereiten, den Text lernen etc., was einem hier die  Sicherheit verleiht.”

Habt ihr dann trotzdem noch Lampenfieber?

“Ja natürlich, das können ja selbst die Profis nicht ablegen. Relativ am Anfang hat uns Eckart von Hirschhausen zu seinem Programm in Frankfurt eingeladen. Er hat sich Zeit genommen uns hinter der Bühne ein paar Tipps zu geben. Es war hier schon erstaunlich zu sehen wie abgeklärt und professionell er kommuniziert hat, die Anspannung hat man ihm trotzdem angemerkt. Natürlich können wir uns nicht mit ihm Vergleichen. Wir haben vielleicht 4 Auftritte im Jahr. Hirschhausen hat diese Summe ungefähr pro Woche.”

Wo kann man euch sehen, bzw. wo seid ihr bisher aufgetreten?

“Wir haben bisher 3 Programme gemacht. Die ‘Premiere’ haben wir zweimal aufgeführt, das zweite Programm ‘Zweite Spülzeit’ an 3 Aufführungen in der Uni Aula. Danach waren wir in Cottbus eingeladen und haben eine Kombination aus den ersten beiden Programmen gestaltet. Im Januar hatten wir ein komplett neues Programm ‘Die Rollen sind verteilt’, dass dann an 4 Abenden aufgeführt wurde. Das wollen wir im Sommer nochmal aufführen und suchen dafür noch den Anforderungen entsprechende Räumlichkeiten. Hier stehen wir noch in Verhandlung und haben auch noch keine konkreten Informationen. Außerdem hat uns ein junger Filmemacher aus Würzburg begleitet. Er war bei den Vorbereitungstreffen der Auftritte mit dabei sowie bei den Vorführungen selbst und schneidet das Material gerade zusammen. Der Film soll bis August fertig sein.“

Plant ihr Größeres?

“Das Problem ist, dass viele schon im Berufsleben sind, die Zeit wird immer knapper… es wird in der Folge wohl eher schwieriger. Wir haben auch jüngere Mitglieder und hoffen, dass es in diesem Kontext auch weitergeht. Was verstärkt passieren wird sind Auskoppelungen. Die Band Tante Doktor hat sich bereits aus ein paar unserer Leute herausgebildet und ihre erste CD ‘Unsteril’ aufgenommen. Wie lange sich die Urbesetzung hält und ob damit nochmal ein neues Programm zustande kommt, wissen wir noch nicht. Wie das ganze Projekt also weitergeht steht noch in den Sternen.”

Eine Frage haben wir noch. Habt ihr irgendein Vorbild für dieses unkonventionelle Projekt?

“Das OE Kabarett in Berlin (abgeleitet von den Orientierungseinheiten eines  Modellstudiengangs). Die sind mit der Band Amateur Transplants aus England, die eben dieses ‘medical songwriting’ mitgeprägt hat, als eine Art Vorbild zu bezeichnen. Hirschhausen ist eher sehr weit weg von dem was wir machen. Sein Programm gliedert sich ja eher nach Lebensphilosophie und Partnerschaft, bei uns ist es schon wesentlich medizinisches Kabarett.”

Vielen Dank für das Interview.


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