55 Jahre Scarabée

Inge Menges und ein Teil des Scarabée-Teams.
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Einst verrucht, heute Kult: Das Scarabée wird 55 Jahre alt

Studentenkeller besteht seit 1962 – seit 1994 führt ihn Inge Menges

„Man muss die Musik schon lieben, sonst ist das hier nichts“. Inge Menges steht hinter dem Tresen und lächelt. Das große Geld, nein, das könne man hier nicht raus tragen. Aber darum ist es der heute 63-Jährigen auch nie gegangen. Schon immer war das Scarabée für sie eine Herzensangelegenheit, und das ist es auch heute noch. Aufhören? Daran denkt Inge Menges noch lange nicht, denn schließlich ist das „Scara“, wie die Fans den kultigen Musikkeller im Gießener Riegelpfad nennen, immer noch eine von Gießens ersten Anlaufstellen im Nachtleben.

55 Jahre gibt es das „Scarabée“ dieses Jahr bereits und Inge Menges hat viele Jahre davon selbst miterlebt. War sie zunächst selber Stammgast in dem Laden, stieg sie 1980 unter dem damaligen Inhaber ins Team ein. „Ich habe dann zunächst hier geputzt“, sagt sie und lässt den Blick durch das Scara schweifen. Inge Menges, gelernte Arzthelferin, hatte zu diesem Zeitpunkt gerade ihr Abitur am Abendgymnasium nachgeholt und brauchte Geld, um sich ihr Germanistikstudium zu finanzieren. „Eigentlich wollte ich Medizin studieren, ich musste aber warten“ erklärt sie heute die Wahl des Studienfachs.

„Als ich das erste Mal hinter der Theke stand, habe ich das größte Glück empfunden“

Doch beim Putzen blieb es nicht: Inge Menges wurde schnell zur Thekenkraft befördert. Es war jener Job, der ihr das Herz aufgehen ließ. „Man glaubt es kaum, aber als ich das erste Mal hinter der Theke stand, da habe ich das größte Glück empfunden“. Menges wurde Geschäftsführerin im „Scarabee“, 1994 entschied ihr Chef, den Laden abzugeben. „Er hat mich gefragt, ob ich ihn haben möchte“. Inge Menges wollte, doch die Ablösesumme konnte sie nicht alleine aufbringen. In Christel Brömer-Weber fand sie eine Partnerin, die beiden betrieben das Scarabee fortan als GbR. Brömer-Weber blieb, bis sie sich im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedete – seitdem ist Inge Menges alleine für das „Scarabee“ verantwortlich.

Doch alleine ist die aus Lich stammende Unternehmerin nie gewesen, hat sie doch ein Team um sich geschart, auf das sie sich immer verlassen kann – und das regelmäßig frischen Wind in die Kellerkneipe bringt. Denn es sind oft die DJs und die Thekenkräfte, die Inge Menges über aktuelle Musiktrends informieren und neue Ideen einbringen. Der Studentenkeller hat sich seit seiner Eröffnung 1962 immer wieder neu erfunden und erfinden müssen. Menges erinnert sich: „Früher war hier jeden Tag geöffnet und es war immer voll. Die Musik war jeden Tag gleich“. 1983 kam er erste Einbruch, als in Gießen das „Ausweg“ eröffnete. „Das war so modern und anders“, sagt sie, „das Publikum hat sich damals aufgeteilt“.

Neuanfang 1994

Als Menges das Scara 1994 übernahm, da war es Zeit für einen Neuanfang: „Es waren damals viele böse Buben hier und wir haben erst einmal alle Gäste und alle Türsteher rausgeschmissen“. Ein Jahr lang brauchten sie und ihre Kollegin, bis sich as herumgesprochen und sich der einst verruchte Laden neu etabliert hatte.

Doch auch das Weggeh-Verhalten änderte sich im Laufe der Zeit drastisch und so hat das Scara nach dem Wegfall des schwarzen Mittwochs – noch an drei Tagen in der Woche geöffnet. Gehört der Donnerstag aktuell den Fans elektronischer Musik, finden freitags wechselnde Mottopartys (90er, die Hippie-Party „ScaraTanz“, Depeche-Mode-Partys usw.) und Live-Konzerte heimischer Bands statt. Samstag stehen Rock und Metal auf dem Programm – etwas, das seit jeher zum Scara gehört hat und das wohl nie aussterben wird. „Die Leute kommen wegen der Musik her“, sagt die Inhaberin, „weil es das so woanders nicht gibt“. In den Wintermonaten gibt es außerdem regelmäßig einen Indoor-Nachtflohmarkt.

Geburtstagsfeier am 19. Mai

Am 19. Mai feiert Inge Menges den 55. Geburtstag ihres Ladens mit einem ganz besonderen Event: Dann ist eine Live-Karaoke-Band zu Gast. „Karaoke gab es hier früher auch“, schwelgt sie in Erinnerungen. „Das habe ich mir schon lange gewünscht“. Einblicke in 55 Jahre Scarabee gibt es auch im am 31. März: Dann lesen die Türsteher des Scara „Lach- und Sachgeschichten“ aus den „Türstehermemoiren“. „Die Türsteher führen bei uns seit jeher Buch“, erklärt Menges, und man weiß ja: Das Leben schreibt die besten Geschichten. Und eben auch das Scarabee.


Schlagworte: Kneipe, Kultkneipe, Musikkeller, Nachtleben, Scarabee
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