Feinster Kaffee aus Äthiopien: Kaffee Pura

Markos Gebreselassie (rechts) und Ekhart Osswald an der Röstmaschine von "Kaffee Pura"
©

Vor fünf Jahren wagte Markos Gebreselassie eine ungewöhnliche Existenzgründung

Serie: Existenzgründer in Gießen

Ein bisschen unscheinbar ist der Flachbau im Gewerbepark in der Grünberger Straße, gleich neben der Gießener SPD. Doch wenn sich dem Besucher die Tür öffnet, dann liegt ein verführerischer Geruch in der Luft. Es duftet herrlich nach frisch geröstetem Kaffee. Aber Moment: Kaffee aus Gießen?

Natürlich kommt der Kaffee, der von hier aus vertrieben wird, nicht aus Gießen. Die Bohnen, die hier in großen Säcken lagern, stammen aus erlesenen Anbaugebieten in Äthiopien. Von dort stammt auch Markos Gebreselassie, Geschäftsführer und Gründer der „Kaffee Pura“ GmbH. Seine Vision: Der Aufbau einer Marke, die für den Vertrieb von hochwertigem sortenreinem äthiopischen Kaffee unter sozialen und ökologischen Aspekten steht. Die Idee kam dem Diplom-Kaufmann, der schon vor vielen Jahren nach Deutschland kam und über die Zentrale Studienvergabestelle von München nach Gießen versetzt wurde, während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre an der JLU. Dort war damals gerade das Entrepreneurship Cluster Mittelhessen (ECM) im Aufbau, und der damals verantwortliche Professor war auf der Suche nach gründungswilligen Studierenden.

Gebreselassie hatte für seine Diplomarbeit einige Zeit in Äthiopien geforscht, und so entstand die Idee, äthiopischen Kaffee in Deutschland bekannter und populärer zu machen. Denn: Äthiopien ist zwar der fünftgrößte Kaffeeanbauer weltweit und rund 40 Prozent des dort produzierten Kaffees werden nach Deutschland importiert, allerdings findet man äthiopischen Kaffee zumeist nur in Mischungen. Sortenreinen äthiopischen Kaffee suchte man in Deutschland lange Zeit vergebens. Das sollte sich mit der Gründung von „Kaffee Pura“ im Sommer 2011 ändern.

Umzug und Erweiterung um Rösterei im Mai 2015

Seitdem importiert Gebreselassie, zunächst in den Räumen der TIG GmbH im Europaviertel angesiedelt, Kaffee aus Äthiopien. Die Rohbohnen kommen per Containerschiff in Hamburg an, gelangen dann in speziellen Säcken mit Vakuumeinsatz nach Gießen. Markos Gebreselassie erinnert sich an die erste Lieferung, die er bekam: „In dem Gebäude gab es keinen Aufzug, und wir mussten den ganzen Kaffee hoch schleppen“, lacht er. Deshalb zog er mit der Firma innerhalb der TIG-Gebäude im Europaviertel um. 2015 der Entschluss, nicht nur Rohkaffee zu vertreiben und den Kaffee außer Haus rösten zu lassen, sondern eine eigene Röstmaschine anzuschaffen. Diese Entscheidung führte zu dem Entschluss zum Umzug in größere Räume. Seitdem ist „Kaffee Pura“ in der Grünberger Straße 140 angesiedelt.

Die Vertriebswege sind vielseitig: Neben dem hauseigenen Onlineshop, in dem man haushaltsübliche Mengen bekommt, beliefert „Kaffee Pura“ verschiedene Feinkost- und Bioläden in Deutschland. In Gießen bekommt man die eleganten schwarzen Vakuum-Aromatüten mit dem Firmenlogo, einer Kaffeebohne mit Augen, und einer exakten Produktbeschreibung unter anderem in der „Chocolaterie“, bei der „Käseglocke“ sowie in der Genussmanufaktur „Schlemmerherz“ in Heuchelheim. Trinken kann man den Kaffee in der „Fliegerklause“ am Flugplatz in Lützellinden. Auch Firmenkunden werden beliefert. Und natürlich decken äthiopische und eritreische Familien und Restaurants ihren Bedarf für die traditionellen Kaffeezeremonie über „Kaffee Pura“. 40 Tonnen Kaffee werden mittlerweile pro Jahr von Gießen aus gehandelt, das sind zwei Schiffscontainer voll. Aufgeteilt ist das ganze in zwei Lieferungen, um die Frische der Bohnen zu garantieren. „Die erste Bestellung waren 3000 Kilo“, erinnert sich Gebreselassie. Das Unternehmen sei organisch gewachsen, anfangs hätten ihn Familienmitglieder und Freunde unterstützt.

Schonende Trommelröstung

Seit vier Monaten unterstützt ihn Ekhart Osswald in der Firma in den Bereichen Vertrieb und Marketing. Die beiden kennen sich aus dem Studium. „Ich hatte schon länger Interesse an dem Projekt, aber zunächst noch einen anderen Job“. Bei der Röstung mit der gusseisernen Röstmaschine der Firma Giesen setzt „Kaffee Pura“ auf die schonende Trommelröstung. So können nicht nur kleine Mengen geröstet werden, das Aroma kommt auch besonders gut heraus, außerdem ist der Kaffee besonders magenschonend. Insgesamt sieben Sorten bietet Kaffee Pura an, die auf so klangvolle Namen wie Bonga Forest, Sidamo oder Yirgacheffe lauten. Zwei der Sorten gibt es zusätzlich als Espresso-Röstung.

Oberstes Gebot: Nachhaltigkeit

Wichtig ist Gebreselassie die Nachhaltigkeit. Deswegen vertreibt er ausschließlich fair gehandelten Kaffee mit Bio-Siegel. Durch den direkten Einkauf und Import garantiert er neben höchster Qualität auch Transparenz. Zudem können er sich durch den direkten Kontakt zu den Kaffeebauern ein persönliches Bild von den Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort machen. Kaffee unter einem Charity-Label zu vertreiben oder gar Spenden zu sammeln, hält er für nicht zielführend: Wichtig sei, dass die Kaffeebauern fair bezahlt werden, dann brauche es auch keine weitere Unterstützung. Das hat seinen Preis: 250 Gramm Kaffee kosten bei „Kaffee Pura“ knapp 7 Euro, die Kilopreise liegen zwischen 23 und 27 Euro. Aber: „Es gibt immer mehr Menschen, denen Qualität etwas wert ist“. Statt literweise Kaffee zu konsumieren werde dieser wieder mehr zu einem echten Genussmittel. Und: Er schmeckt einfach unglaublich gut.

Infos, Onlineshop und alle Produktbeschreibungen unter www.kaffeepura.de.


Schlagworte: Existenzgründung, Kaffee, Kaffee Pura
0


Hinterlasse einen Kommentar

In SchlaglichternIn FilmenIn BildernIm Rückblick
AusstellungenStadtführungenTerminübersichtVeranstaltungsorteTicketvorverkaufJahresübersicht