„Nu helf dir Gott, der Tanz ist aus!“

Adrian Verscharen (Teufel) und Mike Hedrich (Jüngling) bei Proben zum Theaterstück "Von fünferlei Betrachtungen, die den Menschen zur Buße reizen" der THeatergruppe des Instituts für Germanistik. Foto: Cora Dietl

Datum/Zeit
25.06.2018
19:30

Botanischer Garten
Sonnenstraße
Gießen


Die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen führt ein Spiel von Johannes Kolroß aus dem reformierten Basel auf

Vorstellungen am 25. Juni und am 4., 7. und 9. Juli 2018

Das Reformationsjubiläum ist vorbei. Was ist von Luthers Ideen hängengeblieben? Welche Konsequenzen ziehen wir aus der Erinnerung an die Botschaft, dass der Mensch schon erlöst ist und dass der Glaube allein vor der Hölle bewahrt? Diese Frage steht auch am Anfang von Johannes Kolroß‘ Spiel „Von fünferlei Betrachtungen, die den Menschen zur Buße reizen“ („Spil von fünfferlay betrachtnussen … zur Buß“). Die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Cora Dietl, Institut für Germanistik, führt das Stück, eine frühe Moralität aus dem reformierten Basel, am 25. Juni sowie am 4., 7. und 9. Juli 2018 in Gießen, Leeds (England), Grünberg und Marburg auf. Eingebettet sind die Aufführungen in ein internationales Forschungsprojekt.

Uraufgeführt wurde das Theaterspiel kurz nach Ostern im Jahr 1532. Der Protagonist des Stücks, ein jugendlicher Jedermann, zieht einen einfachen Schluss aus der österlichen Heilsbotschaft und aus der lutherischen Gnadenlehre: Jetzt darf unbeschwert und dauerhaft gefeiert werden. Bald aber wird er vom Tod eines Besseren belehrt. Mitten im Schwung des Festes treffen den Jüngling die Geschosse des Todes. Aus dem amourösen Freudentanz wird rasch ein Totentanz, der ihn im letzten Moment zur Neubesinnung zwingt – was ihm den Spott seiner Freunde einträgt. Wer hat denn schon gerne einen frommen Freund?
Das Spiel fragt nach der Angemessenheit eines Lebensstils, wie wir ihn heute als typisch westlich oder typisch europäisch verstehen: Es ist ein Leben in gefühlter Sicherheit und Sorglosigkeit, in dem das Fest, die Zerstreuung und die Freude eine zentrale Rolle einnehmen. Es fragt auch nach der Rolle, die wir dem Tod und den Gedanken ans Jenseits in unserem Leben einräumen wollen. Und als Schulstück fragt es natürlich auch, wie Kinder zu einem „rechten“ Lebenswandel erzogen werden können.
Die Aufführung steht im Kontext eines internationalen Forschungsprojekts zu Moralitäten der Frühen Neuzeit als Formen der Vermittlung europäischer Werte. Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, der Schweiz, Polen, Litauen, Spanien und Portugal will erforschen, welche Rolle dem allegorischen moraldidaktischen Theater in der europäischen Kultur des 16. Jahrhunderts zukam. Es geht nicht zuletzt auch darum, wie diese Stücke, wenn sie unverändert wiederaufgeführt werden, auf ein heutiges Publikum wirken. Das Gießener Publikum muss sich daher auf ein ästhetisch anderes Theater einstellen. Wie wird dieses ankommen? Das will die Theatergruppe mithilfe einer Fragebogenaktion herausfinden.

Mitwirkende:
Prof. Dr. Cora Dietl – Alter Mann; Gottesfürchtiger Knabe; Epilog
Mike Hedrich – Jüngling; Bub
Melissa Heerz – Geselle; Weltgeselle; Narr; Chor
Christine Kluge – Pfarrherr; Knabe
Sandra Silbach – Herold; Tod; Schultheiß
Maren Störling – Geselle; Weltgeselle; Knabe; Jungfrau; Chor
Aylin Tongün – Engel; Jungfrau
Adrian Verscharen – Spielmann; Teufel

Die Aufführung findet statt in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Gießen (LZG) und dem Institut für Deutsche Philologie des Mittelalters (Prof. Dr. Jürgen Wolf) der Philipps-Universität Marburg und wird unterstützt vom Museum im Spital Grünberg, von den Freunden des Museums im Spital Marburg und vom Hessischen Landestheater Marburg. Die Reise der Theatergruppe nach England wird gefördert durch den International Medieval Congress in Leeds, durch Erasmus Promos sowie durch Zuschüsse des Fachbereichs 05 und des Instituts für Germanistik der JLU.

Eintritt: in Gießen und Marburg 5 €/ ermäßigt 3 €(Kartenverkauf an der Abendkasse) – in Grünberg und Leeds ist der Eintritt frei

Aufführungen:
25.06.2018, 19.30 Uhr: Gießen, Botanischer Garten
04.07.2018, 19.00 Uhr: Leeds, Beech Grove Plaza
07.07.2018, 16.00 Uhr: Grünberg, Schloss
09.07.2018, 18.00 Uhr: Marburg, Philipps-Universität Marburg, Hörsaal 109, Deutschhausstraße 3

Weitere Informationen: http://www.coradietl.de; http://www.staff.uni-giessen.de/~g91159/theaterprojekte.htm


Schlagworte: Bühne, Historisch, Literarisches Zentrum Gießen, Theater
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