Ein Samstagvormittag in Gießen

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Natürlich ist eine Stadt mehr als die Summe ihrer Straßen und Gebäude. Und wer das lebendige Flair der mittelhessischen Metropole Gießen kennenlernen möchte, dem sei ein Bummel durch die Innenstadt an einem schönen, sonnigen Samstagvormittag wärmstens ans Herz gelegt.

Los geht es am Brandplatz. Hier liegt der Duft von Tee und Kräutern in der Luft. Saftige Tomaten, knackige Äpfel und ein wahres Blumenmeer. Fleisch, Wurst, Honig oder Eier. Es gibt fast alles auf dem Wochenmarkt, dessen geschichtliche Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Heute bieten an den Ständen auf dem Brandplatz, in der Marktlaubenstraße und am Lindenplatz rund 70 Händler ihre Waren feil. Über dem Platz liegt ein feines Stimmengemurmel. Denn natürlich ist der Markt nicht nur Gelegenheit zum Einkaufen. Man trifft sich, man plaudert und tauscht Neuigkeiten aus. Noch eben ein nettes Gespräch mit einer Händlerin geführt, fällt der Blick auf das historische Ambiente, das den Treffpunkt umgibt und in dem geschäftigen Treiben Ruhe ausstrahlt.

Direkt am Brandplatz liegt das um 1330 von Landgraf Heinrich II. errichtete Alte Schloss. Eine Zeit lang war es Nebenwohnsitz der hessischen Landgrafen, im Laufe des 17. Jahrhunderts dann fürstliche Kanzlei, Hofgericht und Sitz der oberhessischen Regierung. 1893 wurde die Stadt Gießen Besitzer, bis das Schloss beim großen Bombenangriff vom 6. Dezember 1944 praktisch vollständig ein Raub der Flammen wurde. 1976 dann der historisch genaue Wiederaufbau, und heute findet sich im Alten Schloss unter anderem die Gemäldegalerie des Oberhessischen Museums mit Werken aus zahlreichen Epochen der Kunstgeschichte. Das Gemäuer grenzt an den Botanischen Garten der Universität. Und wer der Gartenmauer in Richtung Senckenbergstraße folgt, der stößt auf ein weiteres historisches Gebäudeensemble aus Zeughaus und Neuem Schloss. Dieses pittoreske Landschlösschen, das den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstand, stammt aus der Zeit zwischen 1533 und 1539. Bauherr war Landgraf Philipp I. von Hessen, und heute wird der Bau von der Justus- Liebig-Universität genutzt. Genauso wie das im rechten Winkel angrenzende wuchtige Zeughaus, das ein wenig jünger ist und zwischen 1586 und 1590 als Waffenlager errichtet wurde.

Dann der Dezember 1944: Bomben zerstören das Zeughaus, das ab 1960 zumindest mit historisch rekonstruierter Fassade wieder aufgebaut wurde. Zurück zum Wochenmarkt und wieder rein in den samstäglichen Trubel. Vom Brandplatz aus geht es rechter Hand in die Marktlaubenstraße. Auch hier liegt nicht nur reges Treiben, sondern auch Geschichte in der Luft. Denn das Verkaufsgeschehen findet in offenen und geschlossenen historischen Marktlauben aus den Jahren 1894 und 1928 statt. Weiter über Linden-, Kirchen- und Marktplatz.

Über Mäusburg und Kreuzplatz, entlang voll besetzter Eiscafés. Bis das Ziel erreicht ist: der Seltersweg, erst vor wenigen Jahren saniertes Herzstück der Innenstadt. Auch hier herrscht entspannte Betriebsamkeit. Ganz Gießen scheint auf den Beinen zu sein. Kein Wunder, denn in der Mitte der Stadt gibt es alles zu kaufen, was das Herz begehrt. Und für Jung und Alt natürlich auch reichlich Gelegenheit zum Plaudern in Cafés und Restaurants – ein Blick in die Nebenstraßen des Selterswegs, wie die Plockstraße, lohnt sich. Genauso wie der Besuch der Einkaufsmeile in den Abendstunden, wenn sie festlich beleuchtet wird. An der großen Fußgängerbrücke am Ende des Selterswegs, die im Volksmund „Elefantenklo“ genannt wird, ist das Ende des Rundgangs erreicht.


Schlagworte: Einkaufen, Innenstadt, Spaziergang
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