Bahnhofstraße - Gießens ehemalige sündige Meile

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Wer heute durch die Bahnhofstraße vom Bahnhof bis zur Ecke Marktstraße und Neustadt schlendert, der findet reichlich Geschäfte, einladende Cafés und manche hübsche historische Fassade. Ein besonderes Kleinod aus rotem Sandstein ist in direkter Bahnhofsnähe die 1863 fertig gestellte und denkmalgeschützte Alte Post, die seit Anfang der 1990er Jahre allerdings leer steht. Ist die Bahnhofstraße also eine normale Einkaufsstraße? Ja. Aber das war nicht immer so.

Und wer sich mit den fünfziger und sechziger Jahren der Stadtgeschichte befasst, stößt schnell darauf, dass Gießen mal einen klangvollen Spitznamen hatte und „Shanghai an der Lahn“ genannt wurde. Geprägt hat ihn die Illustrierte „Quick“, die damit in ihrer Ausgabe vom 24. September 1950 auch darauf referierte, dass die Prostituiertendichte in der Zeit besonders hoch war. Dort ist etwa nachzulesen, dass die Ausgaben zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten in der Stadt an der Lahn 15 mal höher gewesen sein sollen als in vergleichbaren Städten. Vor allem durch das Elend der Nachkriegszeit bedingt, hielten sich hunderte Prostituierte in Gießen auf. Der Schwerpunkt des Milieus lag in der Bahnhofstraße und den angrenzenden Nebengässchen. Heute ist davon praktisch nichts mehr zu sehen, aber in den Fünfzigern und Sechzigern, in denen US-Streitkräfte in großer Zahl und die Bundeswehr in der Stadt stationiert waren, soll es richtig zur Sache gegangen sein. In den damals einschlägigen Läden der Straße, wie dem „Fiaker“, aber auch davor. Regelmäßig mussten amerikanische Militärpolizei und deutsche Polizei einschreiten. Ruhig wurde es erst mit der Neugestaltung der Bahnhofstraße und dem Abriss vieler Häuser: In den siebziger Jahren gingen die Lichter im Lahn-Shanghai langsam aus.


Schlagworte: Geschichte
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